Das Fan-Projekt Berlin wurde 1990 mit Unterstützung des Landes Berlin eingerichtet. Die Sportjugend im Landessportbund Berlin e.V. übernahm die Trägerschaft für das Projekt. Das Projekt wird aktuell aus Mitteln der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und Geldern der Deutschen Fußball Liga, des Deutschen Fußball Bundes gemäß den Bestimmungen des „nationalen Konzeptes Sport und Sicherheit“ finanziert. Darüber hinaus erhält das Projekt für die Beschäftigung von Jugendlichen im Freiwilligen Sozialen Jahr eine finanzielle Förderung durch das Bundesamt für Zivildienst. Die Mitarbeiter des Fan-Projektes arbeiten Vereinsunabhängig und sind hauptamtlich beschäftigt. Eine Besonderheit des Berliner Fan-Projektes besteht in der Betreuung von Fans vier verschiedener Berliner Fußballvereine. Dies sind Hertha BSC, 1.FC Union Berlin, BFC Dynamo und Tennis Borussia Berlin.


Die Angebote des Fan-Projektes richten sich in erster Linie an folgende Zielgruppen:

• Jugendliche und jungerwachsene Fans aller Vereine, im Alter von 16-27 Jahren, die in Fanclubs und Fanorganisationen zusammengeschlossen sind und sowohl Heim- als auch Auswärtsspiele besuchen
• Jugendliche Fans im Alter von 14 – 17 Jahren (U-18 bereich), die fast ausschließlich Heimspiele besuchen und die unter Umständen noch keiner Fangruppierung angehören und erst in die Fanszene hineinwachsen
• Jugendliche und jungerwachsene Fußballfans aus subkulturell orientierten Fanszenen (Ultras, Hooligans) im Alter von 17 – 27 Jahren, die sowohl Heim- als auch Auswärtsspiele besuchen
• Weibliche Fußballfans im Alter von 16 – 27 Jahren
• Auffällige und gewaltfaszinierte Jugendliche und Gruppen, die durch gewalttätige Auseinandersetzungen, Vandalismus, sowie durch rassistische Äußerungen, antisemitische Schmährufe und sexistische Gesänge im Fußballstadion und im Umfeld in Erscheinung treten
• Fans und Fan-Gruppen, die sich selbstinitiativ, kreativ, gewaltfrei und antirassistisch engagieren

Darüber hinaus kooperiert das Fan-Projekt im Arbeitsbereich Gremienarbeit mit allen im bereich Fußball engagierten Personen, Vereinen und Institutionen.


In Anlehnung an das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) versucht das Fan-Projekt mit seiner Arbeit:

• Beiträge zu friedlichem Miteinander und gewaltfreien Konfliktlösungen zu entwickeln und zu leisten;
• Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, indem die Fähigkeiten der Jugendlichen zur Bewältigung ihrer altersgemäßen Entwicklungsaufgaben gefördert, Lernprozesse der Fans und ihrer Gruppierungen vielseitig anregend herausgefordert (pädagogische Intervention) und die Jugendlichen in belastenden Lebenslagen und krisenhaften Situationen (Krisenintervention) unterstützt wurden;
• zur Schaffung eines Klimas, in dem die Vereine und weitere gesellschaftliche Institutionen zu mehr Engagement für Jugendliche bewegt werden können, beizutragen;
• insbesondere subkulturell organisierte Jugendliche und junge Menschen, sowohl in das sportliche und gesellschaftliche Leben zu integrieren, als auch auf eine Integration von „normalen“ und „auffälligen“ Jugendlichen hinzuwirken und damit Ausgrenzungen zu vermeiden;
• auch schon im Vorfeld zur Minderung von illegitimer Gewalt in jeglicher Form beizutragen und dadurch die Anwendung legitimer Gewalt durch die Polizei zu verringern (Prävention);
• durch Toleranzbildung, die Vermittlung und das Vorleben von demokratischen und humanitären Prinzipien und Werten zum Abbau extremistischer Orientierungen (Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus) beizutragen;
• die Gleichstellung und Gleichberechtigung von weiblichen und männlichen Fußballfans auf allen Ebenen und in allen Prozessen im Fußballzusammenhang sowie den Abbau von allen Formen des Sexismus zu fördern;
• Jugendlichen demokratische Umgangsformen in Konfliktsituationen nahe zu bringen;
• u. a. durch internationale Jugendbegegnungen auf Toleranz bzw. Akzeptanz anderer Lebensformen- und Einstellungen hinzuwirken;
• ein Netzwerk zur Bündelung von Interessen und Kräften aufzubauen
• Selbstorganisation, Eigenverantwortung und – Initiative der Jugendlichen zu stärken und zu fördern;
• Verhaltenssicherheit bei jugendlichen Fans durch Berechenbarkeit, klare Regeln und partnerschaftliche Kommunikation der beteiligten Institutionen sicher zu stellen;
• darauf hinzuwirken, dass jugendliche Fußballfans bei den sie betreffenden Entscheidungen eingebunden werden (Partizipation);
• ein authentisches und objektives Bild von Fankultur in der Öffentlichkeit zu schaffen;
• jugendliches Handeln im Hinblick auf einen gesunden Lebensstil positiv zu beeinflussen und zur Schaffung gesunder Lebensbedingungen im Fußballzusammenhang beizutragen (Suchtprävention);
• das Selbstwertgefühl und die Verhaltensicherheit bei jugendlichen Fußballanhängern zu steigern und Gleichaltrigengruppen zu stabilisieren;
• Jugendlichen Fans Anregungen und Unterstützung bei kulturellen und sportbezogenen Aktivitäten zu geben;
• im Bereich des Berliner Jugendfußball Multiplikatoren für die Thematik Fairneß & Toleranz zu sensibilisieren. Zudem das Projekt „Präventionsmodell Berliner Jugendfußball“ weiterhin zu unterstützen;
• gemeinsam mit dem Verein 1.FC Union den Bereich Fußball und Bildung , in Form eines Lernzentrums, weiter auszubauen;
• die Umsetzung des Projektes „Haus der Fußballkulturen“ weiter voranzutreiben.


Die Arbeit des Fan-Projektes stützt sich hierbei im Wesentlichen auf folgende fünf Säulen:

• Betreuung / Begleitung bei Heim- und Auswärtsspielen
• Beratung / Sprechzeiten
• Sport- und kulturpädagogische Angebote
• Gremienarbeit
• Fahrten und Reisen (Jugendbegegnungen, U-18 Fahrten)